Herzlich willkommen auf www.arbeitsmedizin-gsk.de!
Die Arbeitsmedizin befasst sich mit der Wechselbeziehung zwischen der beruflichen Tätigkeit und der Gesundheit der Beschäftigten und ist ein klassisches ärztliches Fachgebiet der Prävention, der Gesundheitsförderung und Rehabilitation.
Zu den wirkungsvollsten Präventionsmaßnahmen gehören Impfungen. Die von der STIKO empfohlenen Impfungen sind medizinisch, epidemiologisch und ökonomisch sinnvoll. Trotzdem ist die Durchimpfungsrate in Deutschland immer noch unzureichend.
Die Informationen auf den nächsten Seiten sind für Ärzte und medizinisches Fachpersonal bestimmt. Daher sind sie nur mittels DocCheck-Login zu betreten.
Aktuelles
16.04.2012
Nachtdienste: machen dick und zuckerkrank
Immer mehr Menschen arbeiten im Schichtdienst – in mehrfacher Hinsicht eine Belastung für die Gesundheit. Neue Studien zeigen, dass Nacharbeit (auch) das Risiko für Übergewicht und Diabetes steigert – und warum das so ist. mehr »
Schichtarbeit nimmt weiter zu. Laut einer Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung arbeiten bereits 16 Prozent der in Deutschland Beschäftigten nachts, 17 Prozent im Schichtdienst. 1991 waren es noch jeweils 13 Prozent gewesen.
Schichtdienst ist eine Herausforderung für die Gesundheit, das ist inzwischen hinlänglich bekannt. Studien belegen neben Schlafstörungen, Herzschmerzen, Magen- und Verdauungsbeschwerden und anderen potenziellen Folgen auch Auswirkungen auf den Stoffwechsel: Wer regelmäßig nachts arbeitet, hat ein höheres Risiko für Übergewicht, metabolisches Syndrom und eine gestörte Glukoseregulation. Da liegt doch nahe, dass auch Diabetes bei (Nacht-)Schichtarbeitern häufiger vorkommen müsste …
Tatsächlich bestätigt nun eine Teilanalyse der Nurses’ Health Study I (1988-2008) und der Nurses’ Health Study II (1989-2007), dass Nachtschichten anfälliger für Diabetes mellitus Typ 2 machen. Die Daten von fast 180.000 Krankenschwestern, die zu Studienbeginn weder Diabetes noch Herz-Kreislauf-Krankheiten oder maligne Erkrankungen hatten, wurden 18 bis 20 Jahre lang regelmäßig um Auskünfte gebeten. In diesem Zeitraum gaben gut 10.000 von ihnen an, inzwischen an einem Typ-2-Diabetes zu leiden. In beiden Studien stieg dabei die Diabetes-Wahrscheinlichkeit proportional zur Länge der Arbeit im Schichtdienst. Für Studienteilnehmerinnen, die zwischen 10 und 19 Jahre regelmäßig immer wieder nachts im Einsatz waren, betrug das relative Risiko 1,40 (Konfidenzintervall 1,30-1,51), bei über 20 Jahren Schichtdienst 1,58 (1,43-1,74). Der Zusammenhang ist hoch signifikant (p < 0,001), das Ergebnis angesichts der großen Teilnehmerinnenzahl und der ausgeprägten Dosis-Wirkungs-Beziehung außerordentlich aussagekräftig – es lässt auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Schichtarbeit, gestörtem zirkadianem Rhythmus und Typ-2-Diabetes schließen.
Nach und nach deckt die Forschung immer mehr Hinweise auf, wie genau dieser Zusammenhang aussieht. So zeigt eine Studie aus Schweden, dass durchwachte Nächte außerordentlich appetitanregend wirken und Lebensmittel aller Art außergewöhnlich attraktiv erscheinen lassen. 12 männlichen Probanden zeigte das Forschungsteam Bilder verschiedener Nahrungsmittel, während in einer funktionellen Magnetresonanztomografie ihre Hirnaktivität aufgezeichnet wurde. Die Gehirne, jener Probanden, die vorher eine Nacht ohne Schlaf hatten auskommen müssen, zeigten eine deutlich höhere Aktivität im rechten vorderen cingulären Kortex, der wichtiger Bestandteil des zerebralen Belohnungssystems ist, als Antwort auf praktisch alle gezeigten Lebensmittel. Diese Probanden gaben auch ein stärkeres Hungergefühl an, obwohl ihr Nüchternblutzucker nicht signifikant niedriger oder höher lag als bei den ausgeschlafenen Testpersonen.
Andere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass Störungen des zirkadianen Rhythmus zu einem erniedrigten Leptinspiegel und erhöhten Blutzucker- und Insulinspiegeln führen. Die schwedische Studie fügt ein weiteres Puzzleteil zu dem Gesamtbild der Zusammenhänge zwischen nächtlicher Schichtarbeit mit Übergewicht, Diabetes und metabolischem Syndrom.
Studien zu wirksamen Präventionsmaßnahmen stehen noch aus. Vorerst sollten vor allem Menschen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko dahingehend beraten werden, sich im Zweifel gegen einen Job mit regelmäßigen Nachtdiensten zu entscheiden. Wo dies nicht möglich ist, kann eine Ernährungsberatung helfen, den postnocturnen Hunger mit Lebensmitteln zu stillen, die für einen moderaten, gleichmäßigen Blutzuckeranstieg sorgen. Schließlich schienen diese den Teilnehmern der schwedischen Nachtschicht-Hunger-Studie genauso attraktiv wie süße Verführungen.
Quellen
Seifert H, Jung R: Trend zu belastenden Arbeitszeiten hält an. Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung 14.8.2008
Pan A et al.: Rotating night shift work and risk of type 2 diabetes: Two prospective cohort studies in women. PLoS Medicine 2011; 8: e1001141
Benedict C et al.: Acute sleep deprivation enhances the brain’s response to hedonic food stimuli: An fMRI study. J Clin Endocrinol Metab 2012; 97: E443-447
06.03.2012
Wenn Räume krank machen: Spurensuche
Jede(r) dritte bis fünfte in einem Büro Beschäftigte klagt über unspezifische Beschwerden wie Augenbrennen oder Kopfschmerzen. Auch in anderen geschlossenen Räumen wie Schulen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Verkaufsräumen sind solche Beschwerdebilder nicht selten. Ein Online-Portal des Instituts für Arbeitsschutz hilft bei der Ursachenfindung. mehr »
Tränende Augen bei einem Büroangestellten, Kopfschmerzen bei einer Lehrerin – nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) klagen 20 bis 30% aller in Büros Beschäftigten über (meist unspezifische) gesundheitliche Beschwerden wie brennende Augen, verstopfte Nase oder Kopfschmerzen. Die betriebs- und volkswirtschaftlichen Verluste infolge Behandlung und Arbeitsausfall gehen in die Milliarden.
Als Sick Building Syndrome erregten solche Symptomkomplexe ab den 1970er-Jahren in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit. Vor allem in den USA häuften sich damals Berichte über Gesundheitsprobleme von Angestellten in Büros mit schlecht gewarteten oder defekten Klimaanlagen, die durch den fehlenden Abtransport gesundheitsschädlicher Ausdünstungen von Baumaterialien unspezifische Beschwerden hervorriefen.
Allerdings sind nicht immer unzureichend funktionierende Klimaanlagen schuld. Viele Ursachen kommen infrage, von der Beleuchtung bis zu elektromagnetischen Feldern oder ergonomisch ungünstig gestalteten Arbeitsplätzen. Manchmal wirken auch mehrere Faktoren zusammen. Ihnen auf die Spur zu kommen ist allerdings oft schwierig und erinnert nicht selten an detektivische Spurensicherung und -auswertung.
Ein noch recht neues Online-Portal des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) hilft bei der Ursachenfindung. Entstanden ist es, weil entsprechende Problemfälle immer häufiger an das IFA herangetragen wurden. Ein Expertenkreis aus Vertretern mehrerer Unfallversicherungsträger sowie unterschiedlichster Fachgebiete hat nun ein Konzept zur Ermittlung der Ursachen entwickelt.
Das Konzept ist stufenweise aufgebaut: Zunächst werden grundlegende Daten zu den Beschwerden und zur Arbeitsumgebung aufgenommen.
Die Ergebnisse dieser Grunderhebung sollen die Richtung für die nächsten Schritte weisen. In der folgenden Stufe schließen sich spezielle Untersuchungen zu Themen wie Arbeitsplatzgestaltung, Lärm, Raumklima oder chemische Einwirkungen an. Sie sind unabhängig voneinander einsetzbar.
Das Konzept zur Ursachenermittlung wurde zuvor in dem Report „Innenraumarbeitsplätze – Vorgehensempfehlung für die Ermittlungen zum Arbeitsumfeld“ zusammengestellt. Darin finden sich neben den Erhebungsbögen auch viele Hintergrundinformationen – nützlich für das Aufspüren von Ursachen der Beschwerden und für die Neugestaltung von Arbeitsplätzen.
Report Innenraumarbeitsplätze – Vorgehensempfehlung für die Ermittlungen zum Arbeitsumfeld
Report der gewerblichen Berufsgenossenschaften, der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand und des Berufsgenossenschaftlichen Instituts für Arbeitsschutz – BGIA
Download
Aus der Arbeit des BGIA
Innenraumarbeitsplätze – Vorgehensempfehlung für die Ermittlungen zum Arbeitsumfeld
Download
Quellen
www.dguv.de/ifa/de/pra/innenraeume. Portal des Instituts für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung zur Ursachenermittlung von Beschwerden an Innenraumarbeitsplätzen, erstellt 2011
Innenraumarbeitsplätze – Ermittlungen zum Arbeitsumfeld. Aus der Arbeit des BGIA 8/2009
von Hahn N, Kleine H: Innenraumarbeitsplätze – Vorgehensempfehlung für die Ermittlungen zum Arbeitsumfeld. Report der gewerblichen Berufsgenossenschaften, der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand und des Berufsgenossenschaftlichen Instituts für Arbeitsschutz – BGIA, 2005
02.03.2012
Hepatitis B: Aktualisierung der S3-Leitlinie und überarbeiteter RKI-Ratgeber für Ärzte: Impfung für gefährdetes Personal schon vor Ausbildungsbeginn
Schätzungen zufolge hat jeder dritte bis vierte Mensch weltweit eine Hepatitis-B-Infektion durchgemacht, jeder 20. ist chronisch infiziert. Unter bestimmten Bedingungen können schon kleinste Mengen Blut das Virus übertragen. Für beruflich exponierte Personen empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion deshalb: vor Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten schützen – und am besten schon vor Ausbildungsbeginn impfen lassen. mehr »
Seit seiner Entdeckung 1970 hat das Hepatitis-B-Virus (HBV) Karriere gemacht. Das kleine, umhüllte DNA-Virus ist relativ resistent gegen Umwelteinflüsse und Desinfektionsmitteln – möglicherweise einer der Gründe dafür, dass Hepatitis B heute eine der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit 2 Milliarden Menschen eine HBV-Infektion durchgemacht haben – also jeder dritte bis vierte Mensch. Etwa 350 Millionen (5% der Weltbevölkerung) seien chronisch infiziert. Pro Jahr muss mit 600.000 Todesfällen infolge von HBV-Infektionen, HBV-bedingten Leberzirrhosen und Leberzellkarzinomen gerechnet werden.
In Deutschland sind etwa 7% der Bevölkerung Anti-HBc-positiv, bei 0,6% der Menschen im Land ist HBsAg nachweisbar als Zeichen einer aktuellen HBV-Infektion. Damit zählt Deutschland zu den Niedrig-Prävalenz-Ländern. In Risikogruppen und unter Menschen aus Ländern mit einer hohen HBV-Prävalenz ist die Infektionsrate allerdings zum Teil erheblich höher.
HBV erreicht im menschlichen Blut hohe Konzentrationen bis zu 1011 Viruspartikel/ml Plasma bzw. Serum und über 108 infektiöse Einheiten/ml. Unter bestimmten Bedingungen können bereits kleinste Mengen Blut infizierter Personen das Virus übertragen, auch über kleinste Verletzungen der Haut oder Schleimhaut. In Speichel, Tränenflüssigkeit, Sperma, Vaginalflüssigkeit, Menstrualblut und Kolostrum sind die Viruskonzentrationen wesentlich geringer.
Trotz der seit Jahren verfügbaren und seit 1982 in Deutschland für beruflich exponierte Personen empfohlenen Schutzimpfung ist Hepatitis B neben Tuberkulose, Hepatitis A und C eine der wichtigsten berufsbedingten Infektionskrankheiten, vor allem im Gesundheitswesen. Genaue Zahlen liegen hierzu allerdings nicht vor, da beruflich bedingte Infektionen an unterschiedlichen Stellen erfasst werden.
Eine hohe Infektiosität besteht bereits einige Wochen vor Krankheitsausbruch und sowohl akute als auch chronische Infektionen können klinisch inapparent verlaufen, sodass klinisch nicht erkennbar ist, von welchen Personen ein Infektionsrisiko ausgeht.
Das Robert Koch Institut (RKI) betont deshalb in seinen überarbeiteten Empfehlungen die Bedeutung der aktiven Immunisierung aller Kinder und Jugendlichen (für diese übernehmen die Krankenversicherer die Kosten) und aller Erwachsenen mit einem erhöhten Expositionsrisiko. Bei beruflich exponierten Personen trägt der Arbeitgeber die Impfkosten. Eine Impfindikation besteht demnach laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI insbesondere für:
- durch Kontakt mit HBsAg-Trägern in einer Gemeinschaft (Kindergärten, Kinderheime, Pflegestätten, Schulklassen, Spielgemeinschaften) gefährdete Personen
- Gesundheitsdienst (inkl. Labor, technischer Reinigungs-/Rettungsdienst) sowie Personal psychiatrischer/Fürsorgeeinrichtungen/Behindertenwerkstätten, Asylbewerberheime
- durch Kontakt mit infiziertem Blut oder infizierten Körperflüssigkeiten Gefährdete, Auszubildende und Studenten
- möglicher Kontakt mit infiziertem Blut oder infizierten Körperflüssigkeiten (Gefährdungsbeurteilung durchführen), zum Beispiel Müllentsorger, industrieller Umgang mit Blut(-produkten), ehrenamtliche Ersthelfer, Polizisten, Sozialarbeiter, (Gefängnis-)Personal mit Kontakt zu Drogenabhängigen
- Verletzungen mit möglicherweise HBV-haltigen Gegenständen, zum Beispiel Nadelstich
Die „Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion“ der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP), der Gesellschaft für Virologie (GfV), der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) und des Kompetenznetzwerkes Hepatitis (Hep-Net) empfiehlt eine HBV-Impfung bei Hepatitis-B-gefährdetem Personal im Gesundheits- und Rettungsdienst vor Aufnahme der Berufsausbildung, bei Medizin- und Zahnmedizinstudenten vor Beginn des Studiums bzw. des Krankenpflegedienstes. Die Verletzungsgefahr sei nämlich gerade bei Anfängern besonders groß.
Eine Bestimmung von HBV-Markern vor der Impfung ist laut Leitlinie aus medizinischen Gründen nicht nötig. Medizinisches Personal ist aber nach § 15 BiostoffV bei einer Eingangsuntersuchung auf HbsAg, Anti-HBc und Anti-HBs zu untersuchen.
S3-Lelitlinie Hepatitis B
Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion
Download
Quellen
Epidemiologisches Bulletin 1/2012,Robert Koch Institut, 9. Januar 2012
Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. AWMF-Register-Nr.: 021/011. Z Gastroenterol 2011; 4: 871-930
Stand: April 2012, db/bk

