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Die Arbeitsmedizin befasst sich mit der Wechselbeziehung zwischen der beruflichen Tätigkeit und der Gesundheit der Beschäftigten und ist ein klassisches ärztliches Fachgebiet der Prävention, der Gesundheitsförderung und Rehabilitation.
Zu den wirkungsvollsten Präventionsmaßnahmen gehören Impfungen. Die von der STIKO empfohlenen Impfungen sind medizinisch, epidemiologisch und ökonomisch sinnvoll. Trotzdem ist die Durchimpfungsrate in Deutschland immer noch unzureichend.
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Aktuelles

14.11.2011

Kontaktdermatitis: Latexhandschuhe schützen nicht

Wer putzt, schützt seine Hände vor Wasser und Reinigungsmitteln oft mit Einmalhandschuhen aus Latex. Dabei schützen die vor beidem kaum. Noch schlimmer: Auch professionelle Reinigungskräfte verwenden oft dünne Latexhandschuhe statt wirklich schützender Gummimodelle. Gute Zeiten für Handekzeme und Kontaktdermatitis, die bis zur Berufsunfähigkeit führen können. mehr »

Anfangs sieht es harmlos aus. Gerötete, schuppige Hände können bei Reinigungspersonal schon mal vorkommen. Dass diese Handekzeme mit geeigneten Schutzhandschuhen und richtiger Pflege vermeidbar sind, ist vielen Betroffenen nicht bekannt. Noch weniger bekannt ist, dass die gestörte Hautbarriere Allergien Tür und Tor öffnet – im wahrsten Sinne des Wortes. Und die kommen (wen wundert’s?) bei Reinigungskräften ganz schön häufig vor, wie eine Untersuchung des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden zeigt.

Ein dermatologisches Forschungsteam der Uni Dresden analysierte Patch-Tests von 803 weiblichen Reinigungskräften, die zwischen 1996 und 2009 in verschiedenen dermatologischen Abteilungen auf Kontaktdermatitis untersucht wurden. 19,4% der Untersuchten hatten eine atopische Dermatitis in der Anamnese, 81,6% litten unter einer berufsbedingten Handdermatitis, bei 31% stellten die Dermatologen eine allergische Kontaktdermatitis fest. Die beliebten Einmalhandschuhe aus Latex schützen nicht nur schlechter als dickere Gummimodelle; oft sind sie sogar selbst Auslöser der Allergie. Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die nicht beruflich putzte, zeigten sich bei den Reinigungskräften signifikant häufiger Allergien auf Gummizusätze wie Thiurame, Zinkdiethyldithiocarbamat, Mercaptobenzothiaziol sowie Formaldehyd.

„Kontaktekzeme sehen anfänglich oft harmlos aus und werden nicht ernst genommen“, hat Studienleiterin PD Dr. Andrea Bauer festgestellt. „Wenn sich aber auf der Basis der gestörten Hautbarriere Allergien gegen Berufsstoffe entwickeln, kann das im schlimmsten Fall zur Berufsunfähigkeit führen.“

Um die Hände bei Reinigungsarbeiten zu schützen, empfehlen die Dresdner Forscher:

  • Nur dicke, wieder verwendbare Gummihandschuhe sorgen für adäquaten Schutz.
  • Die Schutzhandschuhe sollten mit Baumwolle beflockt oder mit Baumwollstrick ausgekleidet sein, damit die Haut nicht so leicht schwitzt und ein direkter Kontakt zum Gummi vermieden wird.
  • Der Handschuh sollte locker sitzen, um ein übermäßiges Schwitzen der Hand zu verhindern.
  • Wer besonders zu schwitzenden Händen neigt, sollte unter dem Schutzhandschuh dünne, in Apotheken erhältliche Baumwollhandschuhe tragen.
  • Bei längerem Arbeiten mit Schutzhandschuhen sind spätestens bei beginnender Durchfeuchtung die Innenhandschuhe durch saubere, trockene zu ersetzen. Die dünnen Innenhandschuhe lassen sich gut waschen und danach wieder nutzen.
  • Wenn – wie im medizinischen Bereich – dünne Einmal-Gummihandschuhe vorschriftsmäßig zum Einsatz kommen, sind nur noch Handschuhe ohne den Allergie erregenden Gummi-Zusatzstoff Thiuram zu verwenden.
  • Das Wasser zum Putzen und Abwaschen sollte lediglich Körpertemperatur haben, um die Schwitzneigung der Haut zu minimieren.
  • Um die Haut auch im Handschuh möglichst gut zu schützen, empfiehlt es sich, zwei unterschiedliche Cremes zu verwenden: während der Arbeit Hautschutzcremes, nach dem Händewaschen und nach der Arbeit Pflegecremes. Welche Creme die richtige ist, kann mit dem Hautarzt oder dem Apotheker besprochen werden, Die Wahl hängt vom Hauttyp und der Art der Tätigkeit ab.
  • Wer empfindliche Haut hat, sollte sich nicht zu oft die Hände waschen und dabei lauwarmes Wasser und milde Flüssigseifen verwenden.

Arbeitgeber sind verpflichtet, ihren Angestellten für die von ihnen ausgeübte Tätigkeit geeignete Handschuhe und Hautcremes zur Verfügung zu stellen. Dieser Verpflichtung kommen jedoch offenbar viele nicht nach.

Sind erst einmal berufsbedingte Hautirritationen da, können auch die Berufsgenossenschaften weiterhelfen. Sie stellen unter anderem Hautschutzmittel und Therapien zur Verfügung. Ziel: Die Haut heilen, um Arbeitsfähigkeit und Arbeitsplatz zu erhalten.

Studienleiterin Andrea Bauer: „Die Hände sind unsere wichtigsten Werkzeuge – sie müssen gesund bleiben, sonst kann das die berufliche Existenz gefährden.“

Pressemitteilung des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus (Dresden):
Einweghandschuhe: Beim Putzen eher Gefahr als Schutz

Quellen
Liskowsky J, Geier J, Bauer A: Contact allergy in the cleaning industry: analysis of contact allergy surveillance data of the Information Network of Departmens of Dermatology. Contact Dermatitis 2011; 65: 159-166
Einweghandschuhe: Beim Putzen eher Gefahr als Schutz. Pressemitteilung des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, Dresden, www.uniklinikum-dresden.de

24.10.2011

Langzeit-Kranke: Sinn der Arbeit entscheidet über Wiedereinstieg

Für Angestellte, die lange krank geschrieben waren, kann der Wiedereinstieg in den Beruf eine komplexe Angelegenheit sein. Eine dänische Untersuchung hat jetzt gezeigt, dass der erlebte Sinn der eigenen Arbeit dabei eine große Rolle spielt. mehr »

Altenpflege gehört zu den anstrengenden und gleichzeitig wenig gewürdigten (und schlecht bezahlten) Berufen. Vielleicht sind das Gründe für den oft hohen Krankenstand beim Personal in Altenpflegeheimen. Eine dänische Studie hat jetzt genauer untersucht, was nach längeren krankheitsbedingten Fehlzeiten darüber entscheidet, wie schnell Altenpflegerinnen und -pfleger wieder einsatzfähig sind.

Die Autoren verfolgten 9947 Angestellte in Altenheimen, die nach einer nationalen Datenbank Krankengeld oder ähnliche Leistungen bezogen. 598 dieser Angestellten waren länger als acht Wochen krankgeschrieben; diese wurden ins Follow-up bis ein Jahr nach Beginn der krankheitsbedingten Fehlzeit aufgenommen. Die im Baseline-Fragebogen erfassten psychosozialen Arbeitsmerkmale und arbeitsbezogenen psychologischen Zustände wurden verglichen mit dem Zeitpunkt des Wiedereinstiegs.

Zum Erstaunen der Untersucher spielte keines der psychosozialen Arbeitsmerkmale (emotionale Anforderungen, Rollenkonflikte, Führungs- und Beeinflussungsqualitäten) eine große Rolle für den Zeitpunkt des Wiedereinstiegs in den Beruf. Fündig wurden sie aber unter den arbeitsbezogenen psychologischen Zuständen, zu denen das affektive organisatorische Commitment und die Erfahrung mit dem Sinn der Arbeit gehören. Letztere hatte wesentlichen Einfluss auf den Wiedereinstieg in das Arbeitsleben. Oder andersherum: Angestellte, die ihre Arbeit schon im Baseline-Fragebogen nicht als besonders sinnvoll eingestuft hatten, taten sich deutlich schwerer damit, wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren.

„Die Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass die Erfahrung mit dem Sinn bei der Arbeit als wichtige Arbeits-/Lebens-Ressource betrachtet werden muss, da sie die Kapazität der krankheitsbedingt fehlenden Angestellten steigert, nach längeren krankheitsbedingten Fehlzeiten wieder zur Arbeit zurückzukehren“, schreiben die Autoren der Studie.

Auf den zweiten Blick ist das Ergebnis wenig überraschend. Sein Hinweis auf die Bedeutung des erlebten Sinns der eigenen Arbeit für Genesung und Motivation sollte Anlass sein, diesem Sinn im Rahmen von Salutogenese und Prävention, aber auch bei der Rekonvaleszenz und Rehabilitation ein größeres Gewicht beizumessen – nicht nur in der Altenpflege.

Quellen
Clausen T et al.: Return to work among employees with long-term sickness absence in eldercare: a prospective analysis of register-based outcomes. Int J Rehabil Res 2011; 34: 249-254

22.09.2011

Das sticht: Verletzungssichere Kanülen noch nicht überall angekommen

Die Verwendung sicherer Kanülen und Lanzetten in Kliniken und Praxen ist seit einigen Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Im Alltag zeigen sich jedoch (noch) erhebliche Lücken in der Umsetzung. mehr »

Nadelstichverletzungen gehören zum Berufsalltag medizinischen Personals – wahrscheinlich noch deutlich häufiger, als Meldezahlen vermuten lassen. In der Umfrage „Schutz vor Nadelstichverletzungen – Anspruch und Realität im Arbeitsalltag“ des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) und der Initiative Safety first! gaben über 70% der befragten 460 Pflegekräfte an, schon einmal von einer Nadelstichverletzung betroffen gewesen zu sein. Mehr als 45% hatten sich sogar schon mehrmals gestochen.

Das Thema ist nicht neu. Neu ist aber vielen offenbar, dass sichere Systeme zur Verfügung stehen – und ihre Verwendung vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist: „Um Beschäftigte vor Verletzungen bei Tätigkeiten mit spitzen oder scharfen medizinischen Instrumenten zu schützen, sind diese Instrumente unter Maßgabe der folgenden Ziffern 1 bis 7 – soweit technisch möglich – durch geeignete sichere Arbeitsgeräte zu ersetzen, bei denen keine oder eine geringere Gefahr von Stich- und Schnittverletzungen besteht“, besagt die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 250. Sie gilt seit 2003 und wurde 2008 angepasst und ergänzt.

Bis die sicheren Kanülen und Lanzetten auf Stationen und in Arztpraxen Einzug gehalten haben, sind mehrere Jahre ins Land gegangen – und vermutlich einige Stichverletzungen. Und es wird wohl weitere Zeit und Überzeugungsarbeit kosten, bis wirklich nur noch sichere Instrumente zur Anwendung kommen. Die Umfrage von DBfK und Safety first! zeigt nämlich auch, dass das Wissen zum Thema und die Verbreitung der neuen Modelle verbesserungswürdig sind.

Knapp 32% der Befragten wussten nicht, dass die TRBA den Einsatz sicherer Instrumente überall vorschreibt, wo Infektionen durch Nadelstichverletzungen möglich sind. Ein Drittel der Pflegekräfte gab an, in ihren Krankenhäusern gäbe es keine jährlichen sicherheitstechnischen Unterweisungen. Mehr als die Hälfte waren nicht in der Anwendung der neuen Instrumente geschult. Wo Schulungen stattgefunden hatten, wurden diese aber durchweg positiv beurteilt.

80% der Pflegekräfte beurteilten auch die neuen Instrumente selbst gut – sie würden helfen, das Verletzungsrisiko zu verringern. Mehr als 70% fanden den Sicherheitsmechanismus leicht mit einer Hand auszulösen. Aber ein Drittel der Klinikleitungen fördere die Umstellung auf sichere Instrumente nicht. Immerhin liegt bei 89% ein Ablaufplan für das Vorgehen nach Nadelstichverletzungen vor.

Am weitesten verbreitet sind verletzungssichere Injektions-, Venenverweil-, Flügel- und Blutentnahmekanülen – wenn auch noch längst nicht flächendeckend. Bei Lanzetten werden immer noch häufig Produkte ohne Schutzmechanismus verwendet.

Die konsequente Anwendung der Sicherheitsmaßnahmen ist ein Fernziel – und wird es wohl auch noch eine Weile bleiben. Bei einer Kontrolle des Gewerbeaufsichtsamtes von 300 Praxen in Niedersachsen stellte sich heraus, dass lediglich 11% vollständig auf Sicherheitsprodukte umgestellt hatten.

PDF-Download: www.nadelstichverletzung.de

Quellen
Umfrage bestätigt: Verletzungssichere Instrumente schützen vor lebensgefährlichen Infektionen. Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und Safety first!, August 2011
Schutz vor Nadelstichverletzungen mit Optimierungspotenzial. Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), August 2011
Arbeitsunfall – Nadelstich. Kleiner Stich – große Wirkung. Arbeit und Gesundheit 2011


Stand: November 2011, db/bk

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